Lob der Nacht: Drachenfluch

Cover Lob der Nacht - Drachenfluch
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Inhalt: Nachdem die 17-jährige Jessi eines Abends nur deshalb nicht von einem Wolfsmann gefressen wird, weil ein Dämon ihm die Mahlzeit streitig macht, wird ihr Leben in seinen Grundfesten erschüttert. Seit dem Überfall quälen sie erschreckend realistische Alpträume, in denen sie immer wieder diesem Dämon begegnet – und Einfluss auf ihn nehmen kann. Auch tagsüber sieht sie Dinge, die niemand sonst bemerkt. Doch nicht einmal ihrer besten Freundin kann sie sich anvertrauen.
Ein Anker ist ihr der attraktive Alec – bis der sie unerwartet sitzen lässt. Einzig der unbekümmerte Yasin scheint zu ihr zu halten, als sie sich ihm vorsichtig öffnet. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Und wenn Jessi ihr eigenes Leben retten will, bleibt ihr nur eines. Sie muss herausfinden, wer ihre wahren Freunde sind.

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Leseprobe Lob der Nacht: Drachenfluch

Lob der Nacht: DrachenfluchEs war einmal vor langer Zeit in einer dunklen, stürmischen Nacht … so beginnen Märchen. Eigentlich. Meines nicht. Meines beginnt in der Gegenwart, also vor überhaupt nicht langer Zeit. Und eine Prinzessin, wie viele von den Märchengestalten, bin ich ebenfalls nicht, sondern Azubi in einer Buchhandlung im zweiten Lehrjahr. Mein Name ist Jessica. Jessica Schwarz, ganz ohne Adelstitel.
Mein hochherrschaftliches Schloss war ein Zimmer in einer WG mit zwei liebenswert-verrückten Mitbewohnern. Mit blonden Wallelocken bis zum Po konnte ich auch nicht aufwarten, unter Aufwendung extrem überbordender Fantasie entdeckte man in meinen haselnussbraunen Haaren immerhin goldene Strähnen, doch weiter als bis zur Rückenmitte hatte ich es bisher nicht geschafft, sie zu züchten. Vielleicht kann ich meine Augen geltend machen? Zwar nicht gerade blau, jedoch zumindest braungrün, mit viel gutem Willen mit einem Stich ins Bläuliche. Im richtigen Licht jedenfalls. Wenn man im perfekten Winkel schaut und die Augen halb zukneift. Und über eine ausgeprägte Vorstellungskraft verfügt.
Gleichwohl begann mein Märchen in einer Nacht, nur stürmisch war sie nicht. Dunkel schon, das haben Nächte nun einmal so an sich. Die Luft war klar und bereits erstaunlich kalt, wenn man bedachte, dass wir erst September hatten. Mein Atem bildete kleine Wölkchen vor meinem Gesicht.
Ich schlug den Mantelkragen hoch und zog den Kopf ein wenig tiefer zwischen die Schultern. September sollte von Altweibersommer geprägt sein, zumindest halbwegs warm, und mindestens ein paar Tagen war vorherbestimmt, dass man Kleider und kurze Tops tragen konnte. Der Monat war so gut wie vorüber, und statt vor Wärme hatte der Wetterbericht vor Frost in höher gelegenen Regionen gewarnt. Immerhin das blieb mir wohl erspart. Als ›höher gelegen‹ konnte man das Flachland hier nun wirklich nicht bezeichnen.
Ich beschleunigte meinen Schritt, um die Kälte zu vertreiben, die durch alle Ritzen der Jacke kroch. Um mich raschelte der nächtliche Wald mit seinen typischen Geräuschen. Irgendwo schrie ein Käuzchen. Ein Falter flatterte an mir vorbei und strebte vermutlich dem Blätterdach entgegen, durch das ich da und dort vereinzelt Sterne funkeln sah. Der fast volle Mond spendete ausreichend Licht, sodass ich nicht dazu verdammt war, über meine Füße zu stolpern, solange ich auf dem Weg blieb.
Ich kam von der Tankstelle, wo ich nebenbei jobbte, um mir meine Ausbildung überhaupt leisten zu können, und der Bus war mir direkt vor der Nase weggefahren. Mal wieder. Statt vierzig Minuten frierend auf den nächsten zu warten, hatte ich wie meistens beschlossen, den Weg bis zum Bahnhof zu laufen. Es war nur eine knappe halbe Stunde, wenn ich die Abkürzung durch den Wald nahm.
Angst hatte ich keine. Wovor auch? Statistisch gesehen sind Gewaltverbrechen in Wäldern selten. Wilde Tiere gab es hier schon lange nicht mehr. Das Wildeste, was einem begegnen konnte, waren flüchtende Füchse, mit ganz viel Glück vielleicht eine Fledermaus. Oder eben das Käuzchen, das wieder seinen klagenden Schrei ausstieß. Und ich liebte den Wald. Eher hätte ich mich gefürchtet, nach Einbruch der Nacht durch gewisse Stadtviertel zu laufen. Aber der Wald war freundlich.
Dachte ich.
War er auch.
Nur war ich nicht die Einzige hier.
In der Dunkelheit links von mir brach mit lautem Knacken ein Ast und ließ mich zusammenfahren, trockene Blätter raschelten, als würde etwas deutlich Größeres als ein Igel hindurch streifen. Mein Herz machte einen Satz, ich blieb stehen und versuchte angestrengt, ein Tier zu entdecken. Doch neben dem hellen Band des Weges breitete sich nur absolute Schwärze aus. Jetzt, wo ich still stand, blieb es ruhig. Mein Herz stolperte weiterhin zu hektisch, aber außer dem leisen Rauschen der Blätter im Wind und einem in der Ferne vorbeifahrenden Auto konnte ich nichts hören.
Nach einem Moment beschloss ich, dass ich mich geirrt haben musste, und nahm meinen Weg wieder auf, ein wenig schneller als zuvor. Weit war es nicht bis zum Waldrand, und dort spendete der Mond ausreichend Licht, obwohl noch zehn Minuten Feldweg Einsamkeit vor mir lagen.
Erneut raschelte es, nun ganz deutlich. Mit klopfendem Herz fuhr ich herum und starrte in den Wald. Nichts. Meine Hände fühlten sich schweißfeucht an, ich überlegte, ob ich nicht doch etwas übersehen hatte. Hungrige Wölfe, wilde Wildschweine, vielleicht gar eingewanderte Bären, aber ich konnte mich nicht entsinnen, dass irgendetwas in der Art in der Zeitung gestanden hätte, und bei all den verstreuten Waldgebieten hier wäre das garantiert eine Meldung wert gewesen. Inklusive Aushang der Schlagzeilen an dem Kiosk am Bahnhof.
Triebtäter kamen mir in den Sinn, entlaufene Serienmörder. Verrückte Kriminelle, die eine Geisel brauchten, um sicher über eine Grenze zu kommen, welche auch immer. Tief durchatmen, befahl ich mir. Da war niemand. Wenn da jemand wäre, würde der doch nicht nur laufen, während ich lief. Entweder würde er sich versteckt halten und warten, bis ich vorbei war oder er würde tun, was er tun wollte. Das war die perfekte Stelle, in beide Richtungen fast gleich weit zum Waldrand.
Es blieb ruhig. Ganz langsam normalisierte sich mein Puls. Der Wald war friedlich und harmlos, wie sich das für einen kleinen Wald zwischen zwei Vororten gehörte. Dennoch brauchte ich noch einen Moment länger, ehe ich wagte, meinen Weg wieder aufzunehmen.
Es blieb ruhig. Ungefähr zehn Schritte lang. Dann setzte es erneut ein – Rascheln, als schöbe sich ein Körper durchs Unterholz, im nächsten Augenblick das Tappen von großen Pfoten. Mein Herz vergaß einen Schlag, meine Nackenhaare richteten sich auf, und ohne mich weiter von der Gefahrlosigkeit der hiesigen Tierwelt überzeugen zu wollen, rannte ich los.
Was immer es war, es war schneller. Es überholte mich mit Leichtigkeit, dann glitt ein geschmeidiger Schatten vor mir auf den Weg. Das Zerrbild eines riesigen, schwarzen Wolfs baute sich vor mir auf; die Schulterhöhe reichte mir gut bis zur Taille. Irgendetwas schien falsch, doch als das Mondlicht schmale, gelbe Augen zum Schimmern brachte und das Wesen tief und dunkel knurrte, war mir alles egal. Ich sah Fangzähne aufblitzen, bevor ich mich mit einem Aufschrei herumwarf und in die Richtung stürzte, aus der ich gekommen war.
Kein Mensch der Welt, nicht einmal Weltrekordhalter im Sprint, ist dafür gemacht, vor wilden Tieren davonzulaufen. Erst recht nicht vor monströsen Wölfen, die mit einem Satz fünfmal so viel Distanz zurücklegen können wie ich mit zehn Schritten. Ich hörte ihn hinter mir, das schnelle Stakkato der schweren Pfoten, spürte seinen heißen Atem im Nacken, roch verwesendes Fleisch, dann warf mich der Aufprall um.
Jemand schrie, als ich fiel – meine eigene Stimme. Irgendwie gelang es mir, mich abzufangen, und aus irgendeinem Grund gruben sich keine Zähne in meinen Körper. Ich rollte herum, packte meine Tasche fest, die einzige Waffe, die ich hatte. Als ob das den Riesenhund beeindrucken würde, wenn er eine Handtasche um die Ohren geworfen bekam.
Ich schaffte es, zurück auf die Beine zu kommen und versuchte panisch, mich zu orientieren. Der Wolf hockte nur wenige Schritte von mir entfernt auf dem Weg; er kauerte wie zum Sprung bereit, als warte er nur darauf, dass ich wieder floh. Fast wie eine Katze, die mit ihrer Beute spielte.
Fast … Die Hinterläufe schienen zu lang, die Vorderläufe zu kurz. Trotz des Wolfsgesichts, trotz der Rute, trotz Pranken und schwarzem Fell war der Körper beinahe menschlich zu nennen. Wie erstarrt konnte ich mich nicht rühren, ebenso regungslos verharrte der Wolfsmann. Einen ewigen Moment starrten wir uns nur an, dann richtete er sich mit einem schnarrenden Laut auf, der ein Lachen hätte sein können.
Für einen Wolf war er zu groß, für einen Mann aber erst recht. Er erreichte bestimmt an die zwei Meter, und für diesen Körperbau wären viele Männer zu töten bereit. Breite Schultern, ein muskulöser Brustkorb, schmale Hüften, muskulöse lange Beine. Der Anblick wurde nur gestört durch das dichte, schwarze Fell, die wolfsartigen Züge und ganz besonders die Krallen an den Händen. Waren das nicht eben noch Pfoten gewesen?
Mit zwei Schritten überbrückte er die Entfernung zwischen uns, und ich wusste, ich musste rennen. Jetzt. Sonst war ich tot. Doch ich konnte mich nicht bewegen. Dann war er heran. Er roch nach Raubtier.
»Lauf, kleines Mädchen«, schnarrte er heiser. Ich spürte, wie seine Klauen über meinen Mantel strichen. Sein Atem stank nach fauligem Fleisch. »Ich gebe dir einen Vorsprung. Lauf, so schnell du kannst. Vielleicht schaffst du es, mir zu entkommen. Wenn du den Waldrand erreichst, bist du frei. Wenn nicht …«, mit einer Kralle streifte er meinen Hals, gefolgt von brennendem Schmerz. Ich wimmerte vor Angst. Offensichtlich hielt der Wolfsmann nicht viel von Statistiken.
Er lachte. »Lauf«, flüsterte er.
Ich war genauso wenig Rotkäppchen wie Prinzessin, aber den bösen Wolf gab es in diesem Moment, in diesem Wald sehr wohl, und Verleugnung würde kaum helfen. Ich hatte keine Chance, ich wusste es. Wie sollte ich den Waldrand erreichen, wenn er mich jagte?
Ich wirbelte herum und rannte los. Hinter mir lachte er erneut, dunkel und rau. Dann hörte ich gar nichts mehr außer meinen schnellen Schritten auf dem Lehmweg und meinem fliegendem Atem. Vor mir wurde der Wald heller. Kein rasender Pfotenschlag, kein brechendes Unterholz. Ich versuchte, meinen Körper zu größerer Geschwindigkeit zu zwingen. Der Schmerz an meiner Kehle sprach überzeugend davon, dass der Wolfsmann keine Einbildung war. Kam er hinter mir her? Gab er mir mehr Vorsprung? Wie lange durfte ich um mein Leben rennen?
Der Waldrand lag in greifbarer Nähe. Ich konnte die letzten Bäume sehen, die Felder im Mondlicht. Gleich, gleich hatte ich es geschafft. Meine Lunge brannte mit jedem keuchenden Atemzug. Würde er sein Versprechen halten? Würde er mich über die Felder hetzen? Oder hatte er mir nur Angst einjagen …
Ohne Vorwarnung tauchte der Wolfsmann vor mir auf. Ich prallte zurück, als wäre ich gegen eine Wand gerannt.
Wieder lachte er heiser. »Kleines Reh, so hilflos. Leichte Beute. Unschuldig, jung, so schmecken sie am besten.« Geschmeidig kam er näher.
Ich taumelte nach hinten, meine Handtasche wie eine Waffe gepackt. Mein Atem flog, ich hatte Seitenstechen und Panik wie nie zuvor in meinem Leben. Ich wollte nicht sterben! Aber wenn, würde ich nicht kampflos untergehen. Von wegen unschuldig und hilflos!
Blätter rauschten, Äste knackten. Ich riss den Kopf empor. Im nächsten Moment brach etwas durch die Baumkronen. Mit einer Erschütterung und einem lauten Krachen wie von Stein auf Stein landete vor mir eine Gestalt. Ich hatte keine Luft mehr, um zu schreien, als ich umgeworfen wurde und zu Boden fiel. Schmerz zuckte durch mich hindurch, als ich mit dem Hinterkopf aufprallte.
Halb betäubt sah ich, wie die Gestalt sich aufrichtete. Ledrige Schwingen falteten sich zusammen und legten sich an einen breiten Rücken. Das Mondlicht erhellte die Fratze eines Dämons – die Lefzen zurückgezogen fauchte er mit gebleckten Zähnen. Reißzähnen. Er war ein Stück kleiner als der Wolfsmann, was ihn immer noch sehr viel größer als mich machte, und doppelt so breit. Gewaltige Hörner schwangen sich über seinen von einer Mähne bedeckten Kopf, seine Hände waren Pranken mit Klauen, und seine mächtigen Pfoten schienen besser an einem Löwen als an einem Menschen aufgehoben zu sein.
›Ebenfalls ein Fabelwesen‹, meldete mein benommenes Gehirn. ›Aber er trägt immerhin eine Hose.‹ Im Gegensatz zu dem Wolfsmann hatte er auch kein Fell, das gewisse Körperteile hätte verbergen können.
Der Wolfsmann knurrte dunkel, die Augen zu schmalen Schlitzen zusammengezogen. »Du unterbrichst meine Jagd.«
»Nicht nur das.« Die Stimme des Dämons klang wie Stein, der zermahlen wurde. »Die Kleine ist meine Beute.«

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Alec

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